Montag, 5. April 2010

Aufräumen, Gedankenstoff und UFOs

Ich musste wieder dringend meine Stoffvorräte aufräumen. Ich mach es nicht gern, ich schöpfe gern aus dem Vollen und bilde farblich sortierte Haufen, in denen die Stoffe und weitere Zutaten zusammen passen. Aber wenn ich diese Haufen überall verteilt habe, wo etwas freier Platz ist, ist irgendwann der Punkt erreicht dass rien ne va plus. Das schlimme ist, dass beim Aufräumen werde ich durch fast alles inspiriert, was ich finde. Egal ob ein Stofffitzelchen, ein Garnrest, alles beginnt mir eine Geschichte zu erzählen, was es mal werden möchte. Ich habe versucht vorzustellen, wie es wäre, wenn ich einfach emotionslos Ordnung schaffen könnte, mit einem kühlen Kopf sortieren und aussortieren.

Bei mir ist diese Funktion nicht eingebaut. So sehr wie ich versuche, vernünftig zu sein und durchzuziehen, flüstern mir die Stoffstückchen ihre spannenden Geschichten ins Ohr und verführen mich. Die Folge ist zwangsläufig eine Reizüberflutung. Mein Kopf ist voller Ideen und droht zu platzen. Und wenn ich einmal so viel Platz freigeschaufelt habe, dass ich dort ein kleines Projekt nähen kann, mache ich das, und komme nicht mit dem Aufräumen weiter. Das macht mich dann wieder unzufrieden und letzendlich unkreativ. Ein Teufelskreis. So lange ich kein Personal mir leisten kann, muss ich wohl damit leben?


Ich sammele Stoffe seit dem ich 13 bin, also seit den 70'ern. Wenn ich einen Stoff sehe, der mich anspricht, weiß ich sofort, was er werden könnte oder zu welchen Stoffen in meinen Vorräten er passen könnte. Im Kopf schiessen neue Ideen hin und her - nur ich komme nicht nach und schaffe es niemals, all das zu nähen. Ich habe nur ein Leben. Und auch wenn es mehrere sein sollten, habe ich noch von niemandem gehört, der seine Stoffvorräte ins Jenseits rüberretten konnte.


UFOs habe ich auch gefunden. Vor allem weiß ich nicht mehr, was ich alles mal angefangen habe und was für Teile es werden sollten. Ich habe die Existenz mancher Projekte einfach komplett verdrängt. Das kann ich widerum gut, merke ich. Ein Topflappen (Baubeginn Mai 2009) habe ich gerade erfolgreich zusammengesetzt. Das ist doch ein Anfang.
Vielleicht bin ich doch noch zu retten? Bin aber beim Aufräumen noch gar nicht bis zu meinem Grandmother's Flower Garden vorgedrungen, um den aktuellen Stand zu checken. Für den brauche ich sicher noch weitere 5 Jahre. Dieser Quilt ist kein UFO, er ist ein Lebenswerk.

Kommentare:

Heike R. hat gesagt…

Ich finde mich total in diesen Zeilen wieder. Mir geht es genauso. Und unser Gruppenquilt Grandmother's Flower Garden ist bestimmt schon 4/5 Jahre alt. Aber wir sind schon beim Quilten.

Simone hat gesagt…

Du hast es wunderbar beschrieben. Genauso ist es! Manchmal findet man Stoffe, deren Existenz einem gar nicht mehr bewusst ist und man streichelt gedankenverloren darüber.
Ich habe mich mit deinen Sunfarben beschäftigt, sehe aber meistens, dass du, wie bei dem Täschchen oben, entfärbst. Etwas schwierig finde ich die Farben einzuordnen. Hast du eine Farbtabelle, wo man sehen kann, welche Farben du benutzt hast? Ich habe schon die von dir angegebenen Seiten angeschaut, aber es stehen leider die benutzten Farben nicht dabei.
Kann man sie mischen, z.B. gelb und rot zu orange?
Über ein Antwort würde ich mich freuen.

Liebe Grüße
Simone

Helena hat gesagt…

Hallo Simone,

danke für deinen Kommentar.

Das Täschchen ist mit Emo Flüssige Textilfarbe (=Reaktivfarbe)gefärbt, also der Stoff dafür. Ähnliches Ergebnis könnte auch mit Sunprinting erzielt werden, mit EMO Sun Mix und Pigmenten. Die Techniken sind jedoch völlig unterschiedlich. Die Sunprinting-Zeit geht jetzt wieder los, wenn das Wetter schön ist.

Man kann auch einen hell gefärbten Stoff mit Sunprinting weiter bearbeiten, aber Sunprinting ist nicht entfärbbar.

Mit sonnigen Grüßen
Helena