Sonntag, 20. März 2011

Man macht sich so seine Gedanken

Heute Sti(e)lblüten

Ist es euch auch schon aufgefallen, wie oft in der letzten Zeit in den Medien und in der Umgangssprache der "Man-Passiv" verwendet wird?

Ich habe mich selbst ertappt, am letzten Wochenende bei meinem Sunprinting-Kurs oft in Man-Form gesprochen zu haben. Völlig ohne Grund. Ich muss mich angesteckt haben.


Was steckt dahinter? In Interviews antworten die Promis in Man-Form, wenn es um persönliche Dinge geht. Minister zu Guttenberg verwendete ständig diese Passiv-Form in seiner Amtsaustritts-Pressekonferenz. Jeden Tag hören wir überall was man macht und tut. Wer ist dieser "Man"? Er schützt einen, wenn es zu intim wird. Er könnte jeder sein, ein wenig ich, ein wenig du und ein wenig wir alle, aber immer anonym, namenlos - Hauptsache man legt sich nicht fest.


Am schlimmsten finde ich "Man sieht sich" - so nett und so unverbindlich. Also, ich persönlich würde mich freuen, wenn ihr bei mir vorbeischaut.
Ob hier in meinem Blog, in meinem Shop, zum Spinn- und Filzfest Wahlsdorf, zur textile art berlin oder wo auch immer.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Oh, deine Gedanken über Sprache finde ich prima! Es gibt seit einigen Monaten noch so ein "sonderliches Ding": Dann sagen die Menschen "LIEBEN Dank". Ich finde das zum Gruseln, denn wie kann Dank lieb sein? Von Herzen kann er kommen oder viel sein, aber lieb? Ist er lieb, weil die/der Dankende brav danke sagt? Dann würde ja der/die Dankende sich selbst beweihräuchern, weil sie/er denrKonvention zu danken genügt. Na, vielleicht schicken wir unsere Beobachtungen mal an den Verfasser des Buches über den am Dativ sterbenden Genetiv:)
LG Beate

Sabine K. hat gesagt…

Liebe Helena!
Interessante Gedanken. Ich werde künftig genauer drauf achten, bei mir und anderen ...
diesen Abschiedsgruß mag ich auch nicht - seehr unverbindlich, da hast Du recht.
Liebe Grüße
Sabine

Helena hat gesagt…

Danke für Eure Kommentare, Sabine & Beate!

Der "liebe Dank" ist mir noch nicht bekannt - vielleicht ist er noch nicht bis zu uns durchgedrungen. Ich halte meine Ohren spitz.

In meiner Muttersprache gibt es keinen "Man-Passiv", vielleicht ist er mir deshalb so sehr aufgefallen.

Sicher ändert sich die Sprache stetig. Einige modische Ausdrücke kommen und gehen, einige bleiben.

Ich lebe fast seit 23 Jahren in Deutschland. Ich lese regelmäßig eine traditionelle finnische Zeitschrift, in der Wert auf die Sprache gelegt wird. Es gibt sogar 2-3 Sprachkolumnen in jeder Ausgsbe. Aber in den anderen Artikeln entdecke ich immer wieder Formulierungen, die vor 20 Jahren auf keinen Fall ein Teil der geschriebenen Sprache gewesen wären.

Liebe Grüße
helena