Sonntag, 9. Oktober 2011

Umweltzone


Als ich 1988 in die DDR kam, gab es keine Plastikbeuteln in den Kaufhallen. In Kapitalismus aufgewachsen war ich auf so etwas nicht vorbereitet, aber es hat nicht lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich selbst einen Stoffbeutel zum Einkaufen mitnehmen muss. Ein paar Freundinnen aus der alten Heimat, die mich in der ersten Zeit besuchten, nahmen es als persönliche Beleidigung, dass die Kassiererinnen ihnen partout keinen Plastikbeutel aushändigen wollten. Sie konnten gar nicht glauben, dass es einfach keine gab.


Kurz danach hießen die Kaufhallen Supermärkte, es gab Plastiktüten und die Einkaufswelt schien in Ordnung zu sein. Es gab auch wesentlich mehr zu kaufen. Sinnlos wurde alles wieder in diese Tüten gestopft und die wenigsten nahmen ihre eigenen Beutel mit zum Shoppen. Wir genossen den neuen Lifestyle in vollen Zügen. Plastiktüten waren ein fester Bestandteil davon.

Für meinen RR-Wanderstoff ( Anke berichtete ) fiel mir auf Anhieb keine Idee ein. Ich wollte am liebsten etwas Sinnvolles daraus nähen - Etwas, was ich, wenn möglich, täglich nutzen könnte. Dann kam die Eingebung. Die Schriften erinnern mich optisch irgendwie an die 89'er Demoplakaten, die gesamte Stoff-Gestaltung mit ihren Farben und Formen an die späten Achzigerjahre in der (Umwelt)zone.

So habe ich beschlossen, aus meinem Wanderstoff zwei nachhaltige Stoffbeutel für mich zu nähen. Ich demonstriere mit diesen Stofftaschen gegen Verschwendung der Rohstoffe, gegen Umweltverschmutzung und für den Erhalt der Natur. Thematisch passen die Ginkoblätter auch wunderbar dazu.


Mir ist natürlich klar, dass die DDR kein Umweltschutz-Musterland war. Aber in Sachen Taschen schon. Es lebe die alte gute Beuteltasche.

Mehr über dieses Thema z.B. hier, hier und hier,
Anleitungen für Einkaufstaschen

Macht mit!

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Kommentare:

Ankes Garten hat gesagt…

Tolle Idee - ich mag auch Beuteltaschen. Ich wurde damit von einer Freundin aber auch schon verlacht (mir ist das völlig unverständlich). Allerdings finde ich es auch gut die Möglichkeit einer Plastiktüte zu haben.
Viele liebe Grüße
Anke

Sabine K. hat gesagt…

Viel würde ja schon damit erreicht werden, wenn man diese Plastiktüten nicht regelrecht aufgedrängt bekommen würde. Selbst für kleinste Artikel, und auch wenn man eine große Tasche mit hat. Das finde ich schon ziemlich abartig, und man ist der Außenseiter, wenn man sie ablehnt.
Allerdings möchte ich keinesfalls mehr in die Zeit zurück, als meine Mutter die leeren Milchbeutel ausgewaschen hat, um mal eine Plastiktüte zum Verpacken zu haben!
Abgesehen davon gefallen mir Deine Stoffbeutel gut, echte Hingucker!
Liebe Grüße
Sabine