Sonntag, 1. Juli 2012

Färbewetter

Hitze mag ich gar nicht. Aber zum Färben ist das Wetter optimal. Als es vorauszusehen war, dass das Wochenende heiß wird, habe ich mir vorgenommen, die in der neuen Quilting Arts beschriebene Färbemethode zu probieren.

Klar habe ich schon öfters Stoffe liegend gefärbt oder bemalt. Hier ist die Grundidee jedoch, mehrere Stoffe platzsparend auf einem Stapel zu färben und die Farbe in der Sonne einwirken zu lassen. Ich habe einen Tisch mit Folie (aufgeschnittener Müllsack) belegt. 

Ich habe Baumwollsatin gefärbt. Satin schimmert und bringt die Farben zum Leuchten. Damastbettwäschestoffe werden meistens ähnlich schön. Viele Baumwollstoffe mit matter Oberfläche wirken dagegen oft dumpf. Die vorgewaschenen Stoffstücke kamen vor dem Färben für ca. halbe Stunde in ein Eimer mit Sodalösung  (ca. 12 EL Soda auf 5 Liter Wasser). Soda fixiert die Farbe auf den Stoff.

Ich habe EMO Flüssige Textilfarbe verwendet. Meine Stoffstücke waren ca. 100x70 cm groß und wogen je knapp 100 g. Das bedeutet einen Farbbedarf von 10 ml pro Stoffstück, wenn ich eine satte Färbung wünsche. Für helle Töne dosiere ich entsprechend weniger. Die Farbe gebe ich in eine Salzlösung (ca. 4 EL Salz oder Glaubersalz auf 1 Liter Wasser). Hier habe ich ca. 100ml von dieser Salzlösung genommen und die benötigte Farbmenge damit gemischt.  

Diese Farblösung habe ich dann auf die in Soda eingeweichten Stoffstücke gekippt und mit Handschuhen in den Stoff eingearbeitet. Die Arbeitsfläche habe ich mit Absicht etwas mit Neigung hingestellt, damit die überschüssige Farbe auf einer Seite frei ablaufen kann.



Wenn der Stoff fertig ist, wird einfach eine Folie draufgelegt, die mit einem neuen Stoff belegt wird und obendrauf kommt wieder eine Folie. Ich verwende gern schwarze Müllsäcke, unter denen wird es schön heiß in der Sonne, das begünstigt die Fixierung der Farbe.
Ich wollte diesmal eigentlich ganz dizipliniert sein und nach einem bestimmten Schema färben. Das ist aber so gar nicht meine Art und schon beim zweiten oder dritten Stoff habe ich mich ertappt, Farbverläufe zu gestalten.  

Den obersten Stoff auf dem Stapel habe ich  zweifarbig gefärbt und auch etwas geknittert... 

 Dann kam noch mal Folie drauf und ein paar Steine zum Festhalten.
  Auf einer längeren Fläche habe ich noch einige lange Stoffbahnen gefärbt. In Plastikbeuteln habe ich dann noch zusätzlich kleinere Stoffe mit Farblösung begossen. Diese Stöffchen kommen in den Plastikbehältern auch unter eine schwarze Folie, damit die Sonnenwärme optimal genutz wird.

Das schwierigste für mich war wieder das Warten. Diesmal wollte ich wirklich eisern bleiben und  die Stoffe den ganzen Tag + eine Nacht unter den Folien lassen. Aber dann kam das Gewitter... ich habe doch noch spätabends alles gespült und danach in der Maschine bei 60°C gewaschen. Es wäre besser gewesen, sie noch über Nacht liegen zu lassen - die Farbe war noch aktiv und klebte schön an meinen Fingern, ich hatte dummerweise keine Handschuhe angezogen. Vielleicht wären die Petroltöne auch noch kräftiger geworden? Mit Soda ist die Reaktionszeit eindeutig länger als mit dem EMO Fixiermittel, das es leider nicht mehr gibt. Das nächste Mal werde ich bis früh warten, komme vom Himmel was wolle.


Und das erwartete mich heute früh auf der Wäscheleine:

 Unis aus der "Stapelfärbung"
 
 Marmorierte Stoffe aus den Beuteln und Behältern
Farbverläufe vom Stapel
Insgesamt sind die Ergebnisse OK. Ich finde die Stapelmethode gut, wenn man draußen auf kleinem Raum viele Stoffe gleichzeitig bearbeiten möchte. Besonders gut ist sie geeignet, Farbverläufe zu gestalten. Unis werden in der Waschmaschine gleichmäßiger.

Die aufgeschnittenen Müllsäcke habe ich gespült und nehme sie noch mal zum Färben oder für Sunprinting. Noch besser wäre, die Säcke wären so groß, dass man  sie nicht aufschneiden müßte. Man könnte sie dann einfach umstülpen (Farbseite innen!) und ganz normal als Müllsack verwenden.

Zu den Färbeanleitungen.