Endlich ist der Winter da! Der Schnee läßt alles viel schöner aussehen und die Tage werden langsam länger.
Eines von den vielen Quiltbüchern, die ich Weihnachten bekommen habe, warCreate Your Own Free-Form Quilts: A Stress-Free Journey to Original Designvon Rayna Gillmann. Die Idee aus dem Buch, aus vorhandenen Blöcken oder fertigen Quilts etwas Neues entstehen zu lassen, gefällt mir gut. Außerdem möchte ich etwas Therapeutisches nähen und dabei meine Gedanken neu ordnen. Dafür soll diese Übung bestens geeignet sein.
Das hier sind meine Ausgangsblöcke, es sollte mal ein Quilt werden, ich habe sie aber nie zusammen genäht.
am Freitag habe ich mir eine Kette gebastelt. Das hatte ich schon lange vor. Die Zutaten habe im September aus Elsass mitgebracht: Bändchen, Mini-Garnröllchen und Charms. Das passende Garn gab es auch dort, das habe ich auf die Röllchen gewickelt und sie zum Schluss mit farblosem Nagellack versiegelt, damit sie besser halten.
Mir gefällt's ganz gut. Für mehr Volumen hätte ich noch einen Stoffschlauch intergrieren können, die Idee probiere ich noch irgendwann.
Ich habe 2 Wochen vergebens auf Tageslicht gewartet, nur um ein paar
Fotos zu machen. Heute hat es geklappt und es
gibt es wieder mal eine längere Geschichte, direkt aus dem Nähkästchen geplaudert.
Tante Elna war die jüngere Schwester meiner Oma Anni. Anni
habe ich leider nicht kennen gelernt, sie starb schon vor meiner Geburt. Elna war berufstätig, sie hatte in dem staatlichen
Vermessungswesen gearbeitet und war viel herum gekommen. Sie war sportlich und
immer tip-top angezogen und frisiert. Sie hatte erst im reifen Alter geheiratet
und blieb kinderlos. Dabei hatte sie Kinder sehr gern. Ich habe sie in meiner
Kindheit und Jugend oft besucht. Bei ihr war es immer spannend, wir haben
geangelt, Teppiche am Fluss gewaschen oder Beeren gesammelt. Oft habe ich von
ihr ein Eis oder ein Kaugummi einfach so bekommen, ich weiß noch ganz genau,
wie gut das Eis geschmeckt hat. Später gingen wir gern zusammen shoppen oder sie hat
mir etwas zugesteckt, damit ich mir etwas Schönes kaufen konnte...
So ein Teil von Tante Elna war zum Beispiel die himbeerrote
Webpelzjacke, in der ich genau vor 25 Jahren mein Debüt in die DDR absolviert
habe. Nachhinein betrachtet waren eine himbeerfarbene Jacke und dazu farblich
passende lange Velourslederstiefel schon
sehr auffällig in dem grauen Staat. Ich hatte beides in WSW in Finnland günstig
gekauft und fand mich total chic. Warum
ich so sehr angestarrt wurde, wurde mir aber erst klar, als ich dieselben Jacken
zufällig in Weimar in Exquisit
für eine astronomische Summe hängen sah. Aber das nur nebenbei.
Elna 2001
Elna hat auch gern Handarbeiten gemacht. Ich weiß noch, als
sie sich eine grüne Bluse komplett mit der Hand genäht hatte, weil sie keine
Lust hatte, die Nähmaschine rauszuholen. Mein Vater hatte Anfang 50er Jahre ihr
einen Nähkasten geschenkt, den er selbst gemacht hatte. Er ist solide
verarbeitet, aus Maserbirke (Betula pendula var. carelica). Mit diesem Kasten habe ich als Kind oft
gespielt, Elna hatte Nadeln, Garn und Knöpfe darin aufbewahrt.
Diesen Nähkasten
habe ich schon im Sommer aus Finnland mitgebracht. Er war ganz schön
ramponiert. Mein Mann hat ihn aufarbeiten lassen, ich bekam ihn Weihnachten wieder,
nur ein paar Tage danach, als ich von Elna’s Tod erfahren hatte.
Ich denke oft
an Elna und an meine anderen Großtanten, die mir gewissermaßen die fehlende
zweite Oma ersetzt haben.
Obwohl kinderlos, wusste z.B.Tante Hilma immer in Erziehungsfragen, was
richtig ist und was falsch ist, zumindest ihrer Meinung nach. Sie war
Diplom-Viehpflegerin und sehr streng und gläubig und fuhr mit ihrem uralten schwarzen VW Käfer immer unbeirrt mittig auf der Strasse.
Tante Aino dagegen
hatte viele Kinder und Enkel und hatte trotzdem Zeit auch noch für mich, als ich bei ihr zu Besuch war. Sie
hat die besten karelischen Piroggen der Welt gebacken, vielleicht noch einen
Tick besser als meine Oma Ester, Aino's Schwester. Oder es lag vielleicht an dem riesengroßen Backofen in der Bauernküche? Auf Ainos Bauernhof konnte ich nach
Herzenslust stromern und frei sein. Alle ihre Kinder sind künstlerisch sehr
begabt – sie selbst war es vermutlich auch, als Bäuerin hatte sie nur nie Zeit
für so etwas.
Bei Aino im Sommer 1968
Ich möchte allen
meinen Großtanten (es gab noch einige mehr, als die hier namentlich erwähnten Tanten) für alles bedanken,
was sie mir fürs Leben mitgegeben haben. Deshalb widme ich meine neue
Nähmaschine Ihnen allen. Sie heißt natürlich Elna.