Bis auf eine sind diese Garnrollen von der Großmutter meines Mannes, Hildegard. Hildegard war Schneiderin und hatte einen kleinen Schokoladenladen. Ich habe Hildegard leider nicht mehr kennengelernt. Das ist Schade, weil ich gewissermaßen ihre Reinkarnation sein soll. Aber vielleicht wäre es auch nicht gut gegangen, wenn zwei, die nicht gut zuhören können, sich treffen? Nähtechnisch hätte ich von ihr viel lernen können, einige von ihren Handarbeiten existieren noch.
Die zweite rote Garnrolle, Ackermann's 36, hat einen langen Weg hinter sich. Sie habe ich von meiner Mutter bekommen. Sie brachte die Rolle als Erinnerung von ihrer ehemaligen Arbeitsstelle, einem Herrenausstatter mit. Das Geschäft wurde nach dem II Weltkrieg aus Wiborg nach Kouvola (meine Heimatstadt) evakuiert und dort weitergeführt. Das Garn ist mindestens 70 Jahre alt und schon ganz morsch.
Das heutige Wiborg kenne ich von meinen Besuchen und das Wiborg der goldenen Erinnerungen aus alten Büchern und Erzählungen. Die lebendige Stadt war viersprachig: finnisch, schwedisch, russisch und deutsch wurde gesprochen. Mein Gymnasium hat ebenfalls seine Wurzeln in Wiborg. Wenn es eine Zeitmaschine gäbe, möchte ich mich in das alte Wiborg hineinversetzen lassen, um alles selbst zu erleben.

