Beim Sortieren meiner Stoffvorräte sind mir viele Gedanken und Erinnerungen über Stoff gekommen.
Ich kann an viele Stoffe in meiner Kindheit erinnern. Ich weiß noch ganz genau, wie Waffelpique oder Enstex (60er-Jahre-Synthetics) oder eine stachelige Tweedhose sich angefühlt haben. Oder wie ich mit meiner Oma in Stoffläden unterwegs war. Einmal bin ich bei einem Reste-Verkauf kopfüber in eine riesige Kiste mit schwarzen Samtbändern gefallen (etwa wie Obelix in Zaubertrunk). Oder wie ich im Gewühle die Oma verloren habe und einer andere Frau aus Versehen an dem Rock aus rauhem Crimplene gezogen habe. Diese beiden Geschäfte existieren nicht mehr.
Meine Oma, meine Mutter und meine Tante haben alle genäht. Ich durfte mit 8 Jahren selbst an die Nähmaschine und habe die erste eigene mit 14 bekommen. An die ersten Jahren Handarbeitsunterricht in der Schule erinnere ich mich nicht so gern. Ich konnte der strengen Lehrerin nichts recht machen und hatte kein Spaß dran. Zum Glück habe ich dann eine neue Lehrerin bekommen, die die Kreativität der Kinder gefördert hat. Wir durften die Stoffe
selbst aussuchen, und ich konnte plötzlich alles, egal ob Ärmel setzen oder Norwegermuster stricken. Ich habe mir damals viel Kleidung genäht, Röcke, Blusen, Jacken, Hosen…
Oft bin ich in ein bestimmtes Stoffgeschäft in meiner Heimatstadt gegangen. Es war der Resteverkauf einer Kleidungsfabrik. Dort bedienten zwei Verkäuferinnen. Man musste sich so anstellen, dass man bei der blonden Verkäuferin drankam, sie hat immer viel mehr Stoff abgemessen als man verlangt hat. Das Geschäft hat geschlossen als das Gebäude vor ca. 20 Jahren abgerissen wurde. In dem Neubau gibt es keinen Stoffladen, dafür einen Hamburger-Restaurant.
Als junge Frau bin ich oft in Stoffläden gegangen und mir einfach Stoffe angesehen, ohne etwas zu kaufen. Die Stoffabteilung von dem größten Warenhaus Finnlands, Stockmann, war damals als ich noch in Helsinki lebte, riesengroß. Ich verbrachte oft Stunden dort. Oder als ich noch vor dem Fall der Mauer in West-Berlin zum ersten Mal die Stoffe bei KaDeWe bewundern konnte… Ich habe mir alles genau angeschaut, ob Restekisten-Angebote oder luxuriöse Seide.
Der Region Ostthüringen, wo ich seit 20 Jahren lebe, war einst eine Hochburg der Textilindustrie. Davon merkt man leider wenig, wenn man hier heute nach einem guten Stoffgeschäft sucht. Zum Glück habe ich meine Vorräte, ich „sammele“ Stoff seit über 30 Jahren. Manche Stoffe sind mit Erinnerungen verbunden, besonders die, die ich von meiner Oma oder Tante bekommen habe. Ich weiß tatsächlich (fast) von jedem Schnipsel, wo er herstammt. Ich versuche, der Versuchung zu widerstehen, und keinen neuen Stoff zu kaufen. Ich färbe ja selbst, da kann ich mir fast jeden Stoff farblich passend gestalten. Aber manchmal lacht ein Stoff mich so an, dass ich ihn mitnehmen muss.
Ich habe versucht, meine Stoffberge abzubauen und fast alle Kleidungsstoffe verschenkt. Aber irgendwie wird es nicht weniger. Seitdem ich ATC und andere kleinere Werke produziere, ist der Verbrauch noch drastisch gesunken.
Stoff gibt mir meistens die Inspiration, ich schau mir einen Stoff an und sehe sofort, was ich daraus machen könnte. Selten - oder fast nie - arbeite ich andersherum und suche Stoff für ein bestimmtes Projekt. Trotzdem, wenn ich in eine neue Stadt reise, versuche ich mich vorher zu informieren, wo es dort Stoffgeschäfte gibt. Man weiss ja nie.
Zum Schluss ein paar Fragen: Hast du dich mal gefragt:
- Wenn du ein Stoff wärst, welcher?
(Ich selbst: petrolgrün gefärbter Leinen, manchmal wäre ich aber gern lila Samt ;-))
- Welche Stoffarten würdest du mit geschlossenen Augen erkennen?
- Welchen Stoff kannst du überhaupt nicht leiden?
Ich kann an viele Stoffe in meiner Kindheit erinnern. Ich weiß noch ganz genau, wie Waffelpique oder Enstex (60er-Jahre-Synthetics) oder eine stachelige Tweedhose sich angefühlt haben. Oder wie ich mit meiner Oma in Stoffläden unterwegs war. Einmal bin ich bei einem Reste-Verkauf kopfüber in eine riesige Kiste mit schwarzen Samtbändern gefallen (etwa wie Obelix in Zaubertrunk). Oder wie ich im Gewühle die Oma verloren habe und einer andere Frau aus Versehen an dem Rock aus rauhem Crimplene gezogen habe. Diese beiden Geschäfte existieren nicht mehr.
Meine Oma, meine Mutter und meine Tante haben alle genäht. Ich durfte mit 8 Jahren selbst an die Nähmaschine und habe die erste eigene mit 14 bekommen. An die ersten Jahren Handarbeitsunterricht in der Schule erinnere ich mich nicht so gern. Ich konnte der strengen Lehrerin nichts recht machen und hatte kein Spaß dran. Zum Glück habe ich dann eine neue Lehrerin bekommen, die die Kreativität der Kinder gefördert hat. Wir durften die Stoffe
selbst aussuchen, und ich konnte plötzlich alles, egal ob Ärmel setzen oder Norwegermuster stricken. Ich habe mir damals viel Kleidung genäht, Röcke, Blusen, Jacken, Hosen…
Oft bin ich in ein bestimmtes Stoffgeschäft in meiner Heimatstadt gegangen. Es war der Resteverkauf einer Kleidungsfabrik. Dort bedienten zwei Verkäuferinnen. Man musste sich so anstellen, dass man bei der blonden Verkäuferin drankam, sie hat immer viel mehr Stoff abgemessen als man verlangt hat. Das Geschäft hat geschlossen als das Gebäude vor ca. 20 Jahren abgerissen wurde. In dem Neubau gibt es keinen Stoffladen, dafür einen Hamburger-Restaurant.
Als junge Frau bin ich oft in Stoffläden gegangen und mir einfach Stoffe angesehen, ohne etwas zu kaufen. Die Stoffabteilung von dem größten Warenhaus Finnlands, Stockmann, war damals als ich noch in Helsinki lebte, riesengroß. Ich verbrachte oft Stunden dort. Oder als ich noch vor dem Fall der Mauer in West-Berlin zum ersten Mal die Stoffe bei KaDeWe bewundern konnte… Ich habe mir alles genau angeschaut, ob Restekisten-Angebote oder luxuriöse Seide.
Der Region Ostthüringen, wo ich seit 20 Jahren lebe, war einst eine Hochburg der Textilindustrie. Davon merkt man leider wenig, wenn man hier heute nach einem guten Stoffgeschäft sucht. Zum Glück habe ich meine Vorräte, ich „sammele“ Stoff seit über 30 Jahren. Manche Stoffe sind mit Erinnerungen verbunden, besonders die, die ich von meiner Oma oder Tante bekommen habe. Ich weiß tatsächlich (fast) von jedem Schnipsel, wo er herstammt. Ich versuche, der Versuchung zu widerstehen, und keinen neuen Stoff zu kaufen. Ich färbe ja selbst, da kann ich mir fast jeden Stoff farblich passend gestalten. Aber manchmal lacht ein Stoff mich so an, dass ich ihn mitnehmen muss.
Ich habe versucht, meine Stoffberge abzubauen und fast alle Kleidungsstoffe verschenkt. Aber irgendwie wird es nicht weniger. Seitdem ich ATC und andere kleinere Werke produziere, ist der Verbrauch noch drastisch gesunken.
Stoff gibt mir meistens die Inspiration, ich schau mir einen Stoff an und sehe sofort, was ich daraus machen könnte. Selten - oder fast nie - arbeite ich andersherum und suche Stoff für ein bestimmtes Projekt. Trotzdem, wenn ich in eine neue Stadt reise, versuche ich mich vorher zu informieren, wo es dort Stoffgeschäfte gibt. Man weiss ja nie.
Zum Schluss ein paar Fragen: Hast du dich mal gefragt:
- Wenn du ein Stoff wärst, welcher?
(Ich selbst: petrolgrün gefärbter Leinen, manchmal wäre ich aber gern lila Samt ;-))
- Welche Stoffarten würdest du mit geschlossenen Augen erkennen?
- Welchen Stoff kannst du überhaupt nicht leiden?










